1849
Gründung eines Heimes für behinderte Kinder in Zürich-Hottingen durch Barbara Keller. Das Heim wurde mit der Unterstützung von Pfr. Johann Jakob Füssli, als Präsident, und der finanziellen Unterstützung sogenannter "Wohltätigkeitsdamen", die ein "Damen-Comitée" bildeten, geführt. In den Protokollbüchern taucht das Heim unter verschiedenen Namen auf, z.B.
Anstalt für blödsinnige Kinder
Versorgungsanstalt
Rettungsanstalt
Privatanstalt für taubstumme und schwachsinnige Kinder
1895
Im Jahre 1895 wird offiziell Antrag auf Namensänderung gestellt. Das Heim heisst jetzt: "Anstalt für schwachsinnige Mädchen". Ab diesem Zeitpunkt wurden nur noch reformierte Mädchen aufgenommen, und die Anstalt bekam den Charakter einer Hilfs- oder Sonderschule. Damit übernahm die Einrichtung Aufgaben, denen sich die öffentlichen Schulen noch nicht oder erst sehr sporadisch stellten. Mit schwachsinnig bezeichnete man jene Mädchen, die eindeutig bildungsfähig waren, aber in den öffentlichen Schulen nicht die nötige und richtige Förderung bekamen.
1906
Dank grosszügiger Legate konnte das Heim in Küsnacht-Goldbach Land kaufen und einen Neubau erstellen, der für jene Verhältnisse als sehr fortschrittlich galt: Das Haus war mit Wasser, elektrischem Licht und Zentralheizung ausgestattet und entsprach den Anforderungen der modernen Hygiene. Bei der Einweihung befanden sich 17 Mädchen im Heim. Gleichzeitig wurde eine Altersabteilung mit acht betagten Frauen mit einer geistigen Behinderung eingerichtet.
1944
Die Trägerschaft des Heims geriet in finanzielle Bedrängnis und musste eine Schliessung in Erwägung ziehen. Ausserdem wurde von Mitarbeitenden und Versorgern kritisiert, dass im gleichen Haus Kinder geschult und ältere Frauen mit einer geistigen Behinderung betreut und beschäftigt wurden. Ein Gutachten von Fachleuten bildete eine wichtige Grundlage für den Entscheid, die Institution mit gewissen Umorganisationen weiterzuführen.
1952
Durch die Initiative einer Mitarbeiterin wurde in Herrliberg ein Heim gegründet, in dem die älteren Frauen mit einer geistigen Behinderung ein Zuhause fanden. Somit konnte sich das Barbara Keller Heim zu einem Schulheim entwickeln.
1960
Mit der Einführung der Invalidenversicherung wurden die grossen finanziellen Probleme gelöst. Das Barbara Keller Heim erhielt ab diesem Zeitpunkt Subventionen von Bund und Kanton, ohne dass der private Status geändert hatte. Gleichzeitig wurde die Haushaltungsschule gegründet. Die jungen Frauen konnten nur dann an Stellen vermittelt werden, wenn sie über Haushaltkenntnisse verfügten. Es wurde stetig ein zusätzliches Haushaltsjahr, später eine zweijährige Ausbildung aufgebaut, welche die Mädchen im Anschluss an die Sonderschule absolvieren konnten.
1964
Gleichzeitig erwies es sich als notwendig, für Frauen, die nicht an Stellen vermittelt werden konnten, andere Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Die Zürcherische Stiftung zur Förderung für geistig Invalide eröffnete zu diesem Zweck in Küsnacht eine Werkstube als Filiale des Zürcher Betriebs. In diesem Jahr wurde der Altbau umfassend renoviert und ein Neubau auf dem Areal der Schule wurde erstellt. Darin wurde eine Schulküche, ein Turnsaal und Arbeitsraum für die Werkstube eingerichtet. Von diesem Zeitpunkt an wurde das Heim als reines Schulheim geführt (1. bis 10. Schuljahr), ergänzt durch eine Haushaltabteilung.
1965
Die bisher lose Form der Trägerschaft der "Kellerschen Anstalt" wurde in eine verbindliche Rechtsform umgewandelt. Es wurde der "Verein Barbara Keller Heim" gegründet.
1979
Die Raumverhältnisse waren sehr beengend. Die Anzahl Schülerinnen nahm in den letzten Jahren stark zu. In der Werkstube wurden 13 Frauen mit Papierarbeiten beschäftigt. Die Raumverhältnisse waren sehr beengt und liessen wenig Spielraum zu. Es stand zur Diskussion, die Werkstätte zu schliessen. Das Barbara Keller Heim fühlte sich gegenüber den Frauen, welche bereits im Barbara Keller Heim in die Schule gingen, verpflichtet und entschied 1979, die Werkstube zu übernehmen.
1987
Die räumlichen Verhältnisse an der Zürichstrasse 84 gestatteten es nicht, das Arbeitsangebot der Werkstube und damit die Möglichkeiten zur Förderung der Frauen, zu erweitern. Eine weitere Veränderung war notwendig. Die Trägerschaft konnte an der Unteren Heslibachstrasse 18 geeignete Räumlichkeiten mieten und diese bedürfnisgerecht umbauen. Mit der Eröffnung der neuen Werkstätte wurde die Institution auch für Männer mit einer geistigen Behinderung geöffnet. Mit der Neukonzeption wurden 25 Arbeitsplätze für Frauen und Männer mit einer geistigen Behinderung geschaffen. Die Werkstätte ist von der Invalidenversicherung anerkannt und wird durch diese und den Kanton subventioniert. Es wird jedoch erwartet, dass die Werkstätte eine Eigenleistung aus dem Erlös von Kundenaufträgen und eigenen Produkten erbringt.
1982 - 1988
In der gleichen Zeit, in der die Werkstätte im Aufbau war, sank die Nachfrage nach Sonderschulheim-Plätzen, infolge des Pillenknicks. Das Angebot an Sonderschulen war genügend, zeigte sich das Bedürfnis, die Haushaltungsschule im Sinne der erstmaligen beruflichen Eingliederung der IV weiterzuführen. Das Konzept wurde überarbeitet und den heutigen Bedürfnissen angepasst. In den Jahren 1982-88 wurde die Sonderschule schrittweise aufgehoben und nur noch das 10. Schuljahr und die Haushaltungsschule angeboten.
1990
Die Nachfrage nach einer Wohnmöglichkeit in der Frauen und Männer ihre Selbständigkeit und Eigenständigkeit entwickeln konnten stieg stark an. Es war ein Glücksfall, dass der Verein Barbara Keller Heim die Liegenschaft Seestrasse 128 erwerben und zu einem Wohnheim umbauen konnte. 16 Frauen und Männer haben hier ihr Zuhause gefunden.
Auch das Wohnheim wird von der IV und vom Kanton subventioniert. Die Bewohnerinnen und Bewohner zahlen einen Pensionspreis, der den Normen der IV entspricht.
1999
Da sechzehn junge Frauen im Alter von 16-22 Jahren die Haushaltungsschule absolvieren und sich die schulischen Anforderungen an eine solche Ausbildungsstätte geändert haben, drängte sich eine Rennovation auf. Um eine Lösung zu finden, welche der Haushaltungsschule wie der gesamten Organisation Verbesserungen und neue Entwicklungen ermöglichte, entschied sich die Trägerschaft für eine umfassende Rennovation des Altbaus. Zudem sollte anstelle des bisherigen Nebengebäudes ein Neubau entstehen. Der Abschluss der Rennovation und des Neubaus fällt mit dem 150-jährigen Jubiläum des Barbara Keller Heims und einer Strukturbereinigung (u.a. Schaffung einer Geschäftsstelle) zusammen.
2000
Mit einer Wohnmöglichkeit, in der sich junge Frauen mit einer leichten geistigen Behinderung auf ein möglichst selbstbestimmtes sowie ihren Bedürfnissen und Möglichkeiten entsprechendes Leben vorbereiten können, wurde eine Lücke im Wohnangebot geschlossen. Die Trägerschaft hat an der Seestrasse 126 eine Liegenschaft gemietet und führt dieses Haus als Aussenwohngruppe für vier junge Frauen. Die Aussenwohngruppe ist organisatorisch dem Wohnheim angeschlossen und wird von der IV anerkannt.
2001
Das Barbara Keller Heim hat ein Qualitäts-Managementsystem eingeführt. Anlässlich des Zertifizierungsaudits wurde der Nachweis erbracht, dass dieses QM-System die Anforderungen der ISO 9001:200- und BSV/IV 2000-Normen erfüllt. Der Name der Haushaltungsschule wird in "Ausbildungsstätte" umgewandelt, um in Zukunft auch andere Ausbildungen (Betriebsküche / Industrieausbildung) anbieten zu können.
2009
Die demografische Entwicklung macht auch vor Institutionen wie dem Barbara Keller Heim nicht halt. Die zunehmend älter werdenden Bewohnerinnen und Bewohner stellt das Barbara Keller Heim vor neue Herausforderungen. Der Vorstand entwickelt zusammen mit den Betriebsleitern eine neue Strategie und stellt die Weichen für die Zukunft. Es wurde festgelegt das Wohnheim und die Werkstätte in einem Ersatzbau zusammenzuführen. Um den ständig steigenden Anforderungen an die operative Führung zu genügen wurde zur Entlastung des ehrenamtlich waltenden Vorstands ein Geschäftsleiter eingestellt.